Das Transportwesen in Finnland verändert sich durch ein neues Gesetz

Seit 1. Jänner 2018 sind finnische Mobilitätsanbieter dazu verpflichtet alle wichtigen Daten ihres Transportservice über eine Schnittstelle öffentlich zu machen. Fahrtrouten, Haltestellen, Fahrpläne und Preise sowie Ticket- und Bezahlsysteme – Alle relevanten Informationen sind nun frei einsehbar. Für den Transportmarkt bedeutet die neu gewonnene Transparenz vor allem eins: zahlreiche Möglichkeiten.

Die Schnittstellenöffnung wird die Mobilität Finnlands grundlegend verändern. Von nun an kämpft nicht mehr jeder Transportservice für sich und um jeden Kunden alleine. Sondern viel mehr geht die Reise in Richtung vernetzter, smarter Mobilität. Die Zusammenarbeit von Transportservices und Anbietern von Mobilitätsservices wird intensiviert.  Durch das neue Gesetz lassen sich alle privaten und öffentlichen Mobilitätsangebote in Finnland reibungslos auf Mobilitätsplattformen integrieren. Denn es geht darum, einen umfassenden nahtlosen Service für Reisende anzubieten. Dieser beginnt bei der Suche nach der idealen Route von A nach B, die zusätzlich die eigenen Präferenzen berücksichtigt (schnell, bequem, günstig, umweltbewusst), geht über Routenempfehlungen abhängig von Umwelt- oder Verkehrseinflüssen, bis hin zum digitalen Buchen und Bezahlen der gesamten Strecke. Bestehende Transportangebote werden auf diese Weise verbessert und bedienen immer mehr die Bedürfnisse der Endnutzer.

 

Ein ganzes Land als Brutkasten neuer Mobilitätsideen

Vor allem für Startups und Unternehmen, die bisher noch keinen Service vor Ort angeboten haben, bringt die Digitalisierung Vorteile. Sie können nun die Daten der Transportservices nutzen, um neue Technologien mit innovativen Geschäftsmodellen auf den Markt zu bringen. Der Markteinstieg wird durch die Gesetzesänderung für Startups einfacher, da mehr Raum für Ideen geboten wird.

Finnland kann sich auf eine breite Varietät im Mobilitätsbereich freuen, die den Bewohnern, dem Mobilitätsmarkt und nicht zuletzt auch der Umwelt zugutekommt. Denn neue Mobilitätsservices schaffen wieder mehr Anreiz für Bewohner, dem motorisierten Individualverkehr den Rücken zuzukehren. Und bereits erfolgreiche Pilotprojekte im MaaS-Bereich zeigen, dass es nur an geeigneten Alternativen bisher gemangelt hat, um Menschen zum Umsteigen zu bewegen.

 

Die Gesetzesänderung seit 1. Jänner 2018 auf einem Blick:

  • Unabhängig von der Transportart muss ein Anbieter eines Transportservice alle wesentlichen Daten über eine offene Schnittstelle zugänglich machen.
  • Die Interoperabilität von Ticket- und Bezahlsystemen muss gewährt werden. Der für eine Fahrt zu entrichtende Grundpreis sowie der Reservierungsprozess von Einzelfahrten, die erst nachträglich bezahlt werden (z.B. bei Ridesharing), sind somit nachvollziehbar.
  • Die Interoperabilität von öffentlichen Ausschreibungen wird gefördert d.h. in Ausschreibungen haben Serviceanbieter anzugeben, welchen Verpflichtungen sie nachgehen. Sie müssen das Reiserecht nachweisen, das durch die Ticketprodukte erworben wird.
  • Daten über Schnittstellen sowie Support-Dienste, Nutzungsbedingungen, Software, Lizenzen und andere Dienste, die für den Zugriff erforderlich sind, müssen leicht zugänglich und zu fairen Bedingungen angeboten werden.
  • Serviceanbieter stellen sicher, dass ihr entwickelter Service mit anderen ähnlichen Services kompatibel ist, um die Bildung von Reiseketten zu ermöglichen.
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